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Professionelle Bücher. Auch für Einsteiger.
 
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1 Minecraft ist außergewöhnlich
2 Crashkurs in die Minecraft-Welt
3 Sicher durchs Minecraft-Internet
4 Server und Mehrspielerumgebungen
5 Zwischen Hobby und Computerspielsucht
6 Fakten, Tipps und Antifrustlösungen
7 Gemeinsame Projekte in und um Minecraft
A Anhang
Stichwortverzeichnis

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Der Minecraft-Coach für Eltern von Richard Eisenmenger
Wie Kinder sicher und intuitiv spielen
Buch: Der Minecraft-Coach für Eltern

Der Minecraft-Coach für Eltern
Pfeil 4 Server und Mehrspielerumgebungen
Pfeil 4.1 Netiquette und andere Regeln
Pfeil 4.2 Minecraft-Versionskompatibilität sind untereinander kompatibel? 
Pfeil 4.3 Multiplayer-Spiel im Heimnetzwerk
Pfeil 4.3.1 Minecraft (PC, macOS, Linux)
Pfeil 4.3.2 Minecraft Pocket Edition und Minecraft Windows 10 Edition
Pfeil 4.3.3 Spielkonsolen-Editionen (PlayStation 3/4/Vita, Xbox 360/One, Wii U)
Pfeil 4.4 Der eigene Minecraft-Server im Heimnetzwerk
Pfeil 4.5 Komfortabel und nicht teuer: einen Server mieten
 
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4    Server und Mehrspielerumgebungen Zur vorigen ÜberschriftZur nächsten Überschrift

Minecraft ist nicht nur ein Spiel, in das man allein versinkt, um Welten zu erforschen und in verschiedenen Würfellandschaften Häuser zu errichten, die das Überleben der Nächte sichern. Ein großer Reiz geht davon aus, sich mit anderen Spielern online zu treffen, in einer gemeinsamen Minecraft-Welt, die sich schon fast mit einer virtuellen Realität vergleichen lässt. Denn da die Spielfiguren handgeschneiderte Kostüme tragen, kommen sie trotz ihrer Klötzchenstruktur einem Avatar nahe – einer virtuellen figurenhaften Repräsentation des Spielers.

Zusammen plant man dann riesige Bau- oder Kunstwerke oder unterhält sich ein bisschen über Gott und die Welt. Ein Multiplayer-Server ist eine spannende Umgebung, in der Kinder es mit echten Menschen zu tun haben. Natürlich ersetzt das nicht Kontakte in der echten Welt, aber der Facettenreichtum menschlicher Charaktere und Persönlichkeiten ist hier ebenso vielfältig, interessant, bestätigend oder enttäuschend. Vielleicht sind manche Kontakte aber auch verletzend, denn Trottel gibt es leider überall. Darum ist es übrigens eine gute Idee, dass Sie ein eigenes Minecraft-Konto mit Spielfigur besitzen – natürlich mit cooler Skin. Bei einem gelegentlichen Besuch im Online-Hauptquartier kann Ihr Kind nicht nur stolz seine baumeisterlichen Werke präsentieren, sondern Sie haben gleichzeitig die Möglichkeit, sich ein bisschen umzusehen und ein Gefühl für die Umgebung und die Mitspieler zu gewinnen.

Möchten Sie das Minecraft-Umfeld Ihres Schützlings etwas stärker kontrollieren, sollten Sie von Online-Welten erst einmal ablassen und die Möglichkeiten daheim ausschöpfen. Denn selbst in den eigenen vier Wänden ist das Spiel nicht auf Solo-Sitzungen vor einem PC beschränkt. Mehrere Spieler können sich auch hier in einer Minecraft-Welt treffen, das Heimnetzwerk macht’s möglich, siehe Abschnitt 4.4, »Der eigene Minecraft-Server im Heimnetzwerk «.

 
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4.1    Netiquette und andere Regeln Zur vorigen ÜberschriftZur nächsten Überschrift

Und dann war da das neunjährige Mädchen, das sich gegen virtuelles Geld ein Grundstück auf einem öffentlichen Multiplayer-Server mietete und einen beeindruckenden Bungalow im Bauhaus-Stil errichtete. Ganz stolz zeige sie es ihrem älteren Bruder, der schon seit zwei Jahren zu den Minecraft-Profis gehört und ihr diesen Server empfahl, bis dann beide ein neues Kunstwerk auf dem Nachbargrundstück entdecken: einen mannshohen aus Klötzchen konstruierten Penis mit allen anatomischen und ejakulativen Details.

Das muss nicht sein, passiert aber natürlich immer wieder mal, wo pubertierende Jungen sich langweilen. Zum Glück ist diese Art Vulgarität bei allen halbwegs gut verwalteten Multiplayer-Servern verpönt. Auf Begleit-Websites zum Spielserver ist stets ein Regelwerk zu finden, wie man sich online, in der Community, zu verhalten hat. Dort findet man also nicht nur technische Einschränkungen, die das Gameplay beeinflussen, sondern auch soziale Verhaltensregeln, um einen respektvollen Umgang miteinander zu gewährleisten. Für Verstöße gibt es ein Beschwerdeforum, dessen Nachrichten wenige Minuten nach Eingang von einem Moderator bearbeitet werden. Mit wenigen Klicks ist der Penis kastriert und der betreffende Spieler angemahnt. Noch ein Verstoß und es erfolgt ein Ban, der Ausschluss vom Server.

Regelbeispiele des Multiplayer-Servers »UnlimitedWorld«

Regelbeispiele des Multiplayer-Servers »UnlimitedWorld«

Solcherlei Regeln bezeichnet man im Internet als Netiquette, und im Umfeld von Minecraft sind viele Absprachen und Einschränkungen üblich, um jedes Übel im Keim zu ersticken, das die Spielqualität mindert. Denn natürlich fürchten Serveradministratoren und -moderatoren um den guten Ruf ihrer Online-Welt.

Studieren Sie die die Begleit-Website des Multiplayer-Servers, den sich Ihr Nachwuchs ausgesucht hat, und klopfen Sie die folgenden Punkte ab, um einen Schritt sicherer sein zu können, dass es dort mit rechten Dingen zugeht:

  • Mods, Spielemodifikationen, die einem Spieler Vorteile gegenüber Mitspielern verschaffen, sind in der Regel verboten. Man findet auf den Begleit-Websites gelegentlich auch Listen von Mods, die erlaubt sind.

  • Bots sind ebenfalls verboten. Das sind automatische Programme (Scripts), die sich wiederholende Tätigkeiten ohne Zutun des Spielers durchführen. So könnte Ihr Kind gerade am Esstisch sitzen, während der PC inzwischen in der Online-Welt Ressourcen sammelt: unfair.

  • Stehlen und Griefen, also das Töten eines Mitspielers, wenn dieser unvorbereitet die Online-Welt betritt, ist natürlich ein No-Go. Auch das Fallenstellen in nicht dafür ausgezeichneten Minispielen (PvP, Player versus Player) gehört dazu.

  • Sogar Betrügereien befinden sich explizit in Verbotslisten. (Manche Multiplayer-Server wurden so komplex erweitert, dass im Hintergrund ein Mini-Wirtschaftssystem mit Währungen und Handel von Gegenständen steht.)

  • Dankenswertes Tabuthema: Beleidigungen und politisch extreme Mitteilungen. Hier gibt es sogar automatische Mechanismen, die die Chateingaben aller Mitspieler überwachen und Alarm schlagen, wenn ein Wort von der schwarzen Liste zitiert wird.

  • Vulgäre Spielernamen und/oder anstößige Skins sind ein Zeichen dafür, dass man mit dem betreffenden Gegenüber nichts zu tun haben möchte. Wer solch einen Störenfried sieht, sollte das Beschwerdeforum heranziehen.

    Beispiel eines Beschwerdeforums beim Multiplayer-Server »Kadcon«

    Beispiel eines Beschwerdeforums beim Multiplayer-Server »Kadcon«

  • Privatangelegenheiten wie Adressen und Telefonnummern haben nichts auf öffentlichen Servern zu suchen. Das ist sehr schwierig zu überwachen, darum sollten Sie es Ihrem Kind mit Nachdruck einschärfen. Öffentlich heißt hier nämlich, dass jeder Unbekannte mithören bzw. mitlesen kann, der einen PC, Minecraft und eine Internetverbindung hat.

  • Werbung (im unbeliebtesten Fall für einen anderen Server) gibt’s genug auf Download-Seiten von Minecraft-Erweiterungen, aber Multiplayer-Server sind in der Regel davon verschont (außer auf den Begleit-Websites). Zu klein und wertvoll ist der Platz in Minecraft-Welten und dem Chatfenster. Eine Ausnahme: Meldungen wie »Voted für diesen Server« sind eine kleine Bitte des Serverbetreibers, die Spieler mögen auf Übersichts-Websites, die Serverlisten führen und bewerten, ihre Stimme abgeben. Das ist dann ein kleines Dankeschön an den Betreiber, denn das grundsätzliche Spiel auf dem Server ist kostenlos und die Serverfinanzierung deshalb eine Herausforderung.

  • Mit Redstone-Strom haben Minecraft-Server gerade bei großen Welten mit vielen Spielern Probleme. Die Schaltkreise, z. B. für eine automatische Weizenfarm, benötigen viel Rechenleistung und sind deshalb oft verboten oder stark eingeschränkt. Auf kleineren Servern ist man da etwas großzügiger.

  • AFK, Away from keyboard, also eingeloggt zu sein, aber gar nicht zu spielen, ist ein wenig verpönt. Die Anzahl der Spieler auf Servern ist begrenzt, und so blockiert man während des Abendessens einen Slot, in dem vielleicht ein anderer Mitspieler Spaß haben könnte. Wer gerade etwas anderes macht, loggt sich besser aus.

  • Spam gibt’s nicht nur im Posteingang, sondern auch im allgemeinen Chat auf Servern, z. B. in Form von Hilfeanfragen oder (virtuellen) Verkaufsangeboten. Hier klären Regeln eindeutig, wie häufig man seine Dienste oder Waren anpreisen darf. Oft existieren sogar separate Chat-Kanäle, die explizit Handels- oder Hilfeanfragen dienen. Jemand der gern Hilfe anbietet, kann diesen Kanal dann bei sich aktivieren; jemand, der ungestört bauen möchte, schaltet den Kanal ab. Ebenfalls verrufen im Chat: MIT CAPSLOCK GROSSGESCHRIEBENE TEXTE – DAS WIRKT, ALS WÜRDE MAN SCHREIEN.

  • Der Austausch von echtem Geld gegen Ingame-Währung, -Dienstleistungen oder -Produkte ist sogar vom Minecraft-Hersteller Mojang höchstpersönlich untersagt worden. In den Geschäftsbedingungen, mit denen sich jeder Serverbetreiber auseinandersetzen muss, heißt es u. a.: »You cannot charge real-world cash for in-game currency.« Im Falle der Nichtbefolgung erfolgt gegebenenfalls, ähnlich wie bei ungehorsamen Spielern auf Servern, ein Ban. Für Server heißt das: Kein Spieler kann sich mehr einloggen, denn Mojang sperrt den kompletten Server per Fernsteuerung.

  • Nicht betteln und nicht ständig um Hilfe fragen: Beide Punkte behindern vernünftige Gespräche im Chat, denn die Anzahl der darstellbaren Zeichen und Zeilen in dem kleinen eingeblendeten Fenster ist klein, und durch Dutzende sich wiederholende Fragen und Bitten rutschen Konversationen schnell aus dem sichtbaren Bereich. (Mit den Tasten (ì) / (ë) lässt sich der Bereich nach oben oder unten scrollen.)

  • Nicht in den Konstruktionswelten farmen. Wer auf einem Kreativserver imposante Bauwerke konstruiert, muss auch irgendwie an die Rohstoffe gelangen. Das geschieht über sogenannte Farmwelten, in denen der uneingeschränkte Abbau aller Materialien erlaubt ist. Dementsprechend sieht es dort auch aus: Ein Vergleich mit einem kraterübersäten Kriegsschauplatz liegt nahe, denn die Landschaft ist wie ein Schweizer Käse durchlöchert. Und genau das will man natürlich nicht in den Konstruktionswelten. Gegen einen dezenten Abbau unter dem eigenen Grundstück ist jedoch nichts einzuwenden.

    Sogenannte Farmwelten sehen in der Regel aus wie Schweizer Käse, da hier jeder nach Belieben alles abbauen darf.

    Sogenannte Farmwelten sehen in der Regel aus wie Schweizer Käse, da hier jeder nach Belieben alles abbauen darf.

  • Nur mit einem Konto spielen: Theoretisch kann ein Spieler sich beliebig viele Minecraft-Konten anlegen und damit ein raffiniertes Betrugs- oder Cheat-Szenario aushecken. Darum ist es verboten, mit mehreren Konten zu spielen.

  • Moderatoren und Administratoren ist Folge zu leisten. Moderatoren und Administratoren erkennen Sie durch eine besondere, z. B. farbige oder textliche Markierung im Chatfenster.

  • TeamSpeak: Das ein Programm für alle Betriebssysteme, mit dem Spieler weltweit per Headset (Kopfhörer- und Mikrofonkombination) miteinander reden (auch Textchat ist möglich). Das funktioniert ganz ähnlich wie Skype, ist aber auf Konferenzschaltungen ausgelegt, in denen sich Mitspieler in einem Kanal treffen, z. B. zu einem bestimmten Bauvorhaben.

    TeamSpeak (www.teamspeak.com/en/downloads) ist nicht auf Minecraft beschränkt, sondern stellt nur die Kommunikationsinfrastruktur bereit, sodass viele Multiplayer-Server über einen zusätzlichen TS-Server verfügen. Und hier gelten die gleichen Regeln zu Respekt und Höflichkeit wie im Text-Chatfenster. Meist ist es üblich oder sogar Pflicht, sich in TeamSpeak mit demselben Namen anzumelden wie in Minecraft, sodass klar ist, wer wer ist.

Das sind eine ganze Menge Regeln, und wer noch nicht regelmäßig auf Multiplayer-Servern spielt oder die Regeln nicht auswendig kennt, tritt sicher mal ins Fettnäpfchen. Das ist meist kein Problem, wenn es ein harmloser Verstoß war.

Um weiteren Verstößen entgegenzuwirken, ist es auf einigen Servern sogar üblich, eine Art Aufnahmeprüfung zu bestehen. Wer sich das erste Mal in die Server-Welt einloggt, wird in eine spezielle Welt gebeamt, in der man die Basisregeln über Minecraft-Schilder und -Bücher eingebläut bekommt. Bittet Ihr Kind Sie in dieser Situation um Hilfe, können Sie davon ausgehen, dass es auf besagtem Server etwas strenger zugeht – ein möglicher Pluspunkt.

 


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