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Professionelle Bücher. Auch für Einsteiger.
 
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1 Minecraft ist außergewöhnlich
2 Crashkurs in die Minecraft-Welt
3 Sicher durchs Minecraft-Internet
4 Server und Mehrspielerumgebungen
5 Zwischen Hobby und Computerspielsucht
6 Fakten, Tipps und Antifrustlösungen
7 Gemeinsame Projekte in und um Minecraft
A Anhang
Stichwortverzeichnis

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Der Minecraft-Coach für Eltern von Richard Eisenmenger
Wie Kinder sicher und intuitiv spielen
Buch: Der Minecraft-Coach für Eltern

Der Minecraft-Coach für Eltern
Pfeil 1 Minecraft ist außergewöhnlich
Pfeil 1.1 Minen und Craften statt prügeln und ballern
Pfeil 1.2 Der zweiterfolgreichste Spieletitel aller Zeiten
Pfeil 1.3 Minecrafts Zukunft
 
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1    Minecraft ist außergewöhnlich Zur vorigen ÜberschriftZur nächsten Überschrift

(Quelle: Sergey Galyonkin, Flickr)

(Quelle: Sergey Galyonkin, Flickr)

In fast regelmäßigen Abständen veröffentlicht die Sensationspresse neue Meldungen über computerspielende Gewaltverbrecher, deren Einfühlungs- und Bewertungsvermögen von sogenannten Killerspielen derart beeinträchtigt ist, dass sie ihre Aggressionen aus der Fantasie- in die wirkliche Welt übertragen. Ego-Shooter seien es, die das Aggressionspotenzial der Spieler schüren und die Hemmschwelle senken, Gewalt auch im echten Leben zur Problembewältigung einzusetzen. Dem widersprechen Studien, die keine Kausalität zwischen solchen Spielen und dem bestätigen können, was da auf den Titelseiten der Zeitungen präsentiert wird. Im Gegenteil, so wird gesagt, helfen diese Spiele dabei, das natürliche menschliche Gewaltpotenzial kanalisiert auszuleben und eben nicht auf die Umwelt zu projizieren.

Wenn Sie dieses Buch in den Händen halten, haben Sie Glück, dass diese kontroverse Diskussion Sie nur am Rande betrifft. Denn Ihr Nachwuchs hat sich für ein anderes Spielegenre entschieden. Minecraft gehört zu den sogenannten Sandbox-Games, Spiele, die, dem Sandkasten gleich, eine riesige Welt zum Entdecken und Erforschen bieten. Es gibt keine vorgeschriebenen Missionen, Dutzende Mitglieder eines Verbrechersyndikats zu eliminieren, stattdessen stehen kreative Beschäftigungen und der zwischenmenschliche Umgang miteinander im Vordergrund.

 
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1.1    Minen und Craften statt prügeln und ballern Zur vorigen ÜberschriftZur nächsten Überschrift

Der Name des weltweit zweiterfolgreichsten Spiels (nach Tetris) verrät schon einiges über den Inhalt, denn im Mittelpunkt stehen tatsächlich der Bergbau (engl. to mine, etwas abbauen) und das Handwerk (engl. to craft, etwas handwerklich herstellen). Und das ist wörtlich zu nehmen. Der Spieler buddelt mit Tastatur und Maus (oder Controllern bei Konsolen, Fingern auf Handys) in der Erde, um besondere Gesteinssorten und Erze zu finden. Ab und zu trifft er dabei auf eine Höhle, die näher erforscht werden will, da sich in ihr vielleicht Schätze befinden. Das »Minen« ist aber auch an der Oberfläche möglich, da dort Holz gefällt werden kann, einer der wichtigsten Rohstoffe überhaupt.

Typischer Blick in die eigene Bergbaumine mit im Gehirn aktiviertem Belohnungszentrum: Am Ende des Gangs sind Steinkohle und Eisenerz sichtbar.

Typischer Blick in die eigene Bergbaumine mit im Gehirn aktiviertem Belohnungszentrum: Am Ende des Gangs sind Steinkohle und Eisenerz sichtbar.

Mit auf diese Weise gesammelten Materialien und Gegenständen beginnt nun das Handwerk. So lassen sich aus Holz und Stein Werkzeuge »craften«, eine Spitzhacke beispielsweise, die den Vorteil bringt, dass der Bergbau nun schneller vonstattengeht. Je besser die Spitzhacke ist (wer unter Tage seltene Diamanten gefunden hat, craftet eine Diamant-Spitzhacke), desto schneller und reibungsloser läuft der Abbau. Das Craften immer besserer Ausrüstungsgegenstände, das Entdecken der Ober- und Unterwelt und die Anwendung neuer Crafting-»Rezepte« gehören zu den größten Motivationsfaktoren des Spiels.

Werkzeuge aus Diamant sind die robustesten im gesamten Spiel. Sie sind sehr begehrt, aber teuer zu craften.

Werkzeuge aus Diamant sind die robustesten im gesamten Spiel. Sie sind sehr begehrt, aber teuer zu craften.

Was Minecraft unwiderstehlich macht, sind die Größe und Vielgestaltigkeit der Landschaft sowie die Menge der Objekte und Rezepte. Werkzeug, Fackel, Kleidungsstücke (Rüstungen), Pilzragout, Kuchen, Kompass, Bett, Landkarte, Feuerwerksrakete, Boot, Papier, Schere, Schiene, Tür, Glasscheibe, Zaubertisch, Schild – über 300 Dinge des alltäglichen und weniger alltäglichen Abenteurerlebens verfügen über ihr eigenes Rezept, an das man entweder durch Ausprobieren, über das Internet oder ein gutes Buch gelangt (auf Xbox, PlayStation und dem Handy geht das etwas einfacher, da man aus vorgegebenen Rezepten auswählt).

Wer sich ein Boot zimmert, überquert Flüsse, Seen und Ozeane schneller.

Wer sich ein Boot zimmert, überquert Flüsse, Seen und Ozeane schneller.

Der Clou: Jeder Gegenstand erfüllt im Spiel auch seine Aufgabe. Mit dem Boot lassen sich Gewässer schneller überqueren, Kompass und Landkarte zeigen, wo’s langgeht, und mit der Schere werden Schafe geschoren, um an Wolle zu kommen. Man nennt derlei Welten nicht nur Sandbox-Game, sondern auch Open-World-Spiele, da sie den Spieler nicht in einen starr eingegrenzten Handlungsstrang, sondern in eine offene Welt setzen, in der man theoretisch tun und lassen kann, was man möchte.

Karten zeichnen während des Erforschens alle Landschaftsmerkmale auf. Die Spielfigur befindet sich an der Stelle des kleinen weißen Pfeils.

Karten zeichnen während des Erforschens alle Landschaftsmerkmale auf. Die Spielfigur befindet sich an der Stelle des kleinen weißen Pfeils.

Mit einer Schere und einigen domestizierten Schafen kommt man leicht an Wolle.

Mit einer Schere und einigen domestizierten Schafen kommt man leicht an Wolle.

Doch hiermit ist Minecrafts Gameplay noch lange nicht erschöpft, im Gegenteil: Nach dem Minen und Craften geht’s erst richtig los. Das nächste, vielleicht wichtigste Feature des Spiels ist das Bauen. Eigentlich müsste das Spiel »Minecraftbuild« heißen, denn ein Großteil gefundener oder ercrafteter Objekte oder Baumaterialien dient dem Bau von Häusern, Burgen, ganzer Städte oder riesiger Skulpturen. Hier sind der Fantasie und Kreativität keine Grenzen gesetzt, und die intuitive einfache Bedienung unterstützt den Spielspaß.

Alles, was man da so baut, besteht im Grunde aus 1 × 1 (virtuelle) Meter großen Würfeln, sogenannten Blöcken (es gibt auch einige andere Formen bzw. Objekte), die die Spielfigur in die Hand nimmt und gezielt in die offene Welt platziert. Um also die Wand eines Hauses zu errichten, muss der Spieler durch geschickte Handhabe von Maus und Tastatur jede Stelle erreichen, an die ein Ziegelstein gesetzt werden soll. Zur Not geht das nur mit Hilfskonstruktionen wie einem Gerüst, um die oberen Ziegelreihen zu erreichen (es sei denn, die Spielfigur kann fliegen). Willkommen in der virtuellen Realität.

Auf Blockebene 256 (ein Block entspricht einem Meter) kann man durchaus Höhenangst bekommen. Hier sichtbar: Wolken, die auf Ebene 128 vorüberziehen.

Auf Blockebene 256 (ein Block entspricht einem Meter) kann man durchaus Höhenangst bekommen. Hier sichtbar: Wolken, die auf Ebene 128 vorüberziehen.

Spätestens jetzt wird klar, warum Minecraft kein wirkliches Spielziel hat und auch keines braucht. Es gibt zwar einige Spielelemente, die man erst nach einiger Zeit erlebt. (Ein Beispiel dafür ist die Minecraft-Hölle Nether, in der besondere Gesteinssorten und Monster auf den Spieler warten – oder der Enderdrache. Wenn man ihn besiegt, folgt zwar ein Abspann, man wird danach aber wieder in die Welt gebeamt.) Aber primär steht die Anwendung der eigenen Kreativität im Vordergrund. Und die kann nur ausgelebt werden, wenn man zuvor fleißig in der Erde gewühlt und anschließend auf der Werkbank neue Objekte erschaffen hat, was ein langwieriger, aber abwechslungsreicher Prozess ist. Diese lange kausale Verkettung von Gameplay-Elementen wird immer wieder durch Erfolgserlebnisse und Belohnungsmechanismen aufgelockert. Kein Wunder, dass Spieler stundenlang nichts von sich hören lassen, wenn sie planen, das Schloss Neuschwanstein in Originalgröße nachzubauen, dazu aber fünf Millionen Standsteinblöcke benötigen.

Um dem Bergbau, dem Craften und Bauen noch etwas Würze zu verleihen, gibt es im Standardmodus des Spiels, dem Überlebensmodus, einige weitere Herausforderungen. Da ist zum einen der Hunger, der durch anstrengende Tätigkeiten wächst und durch Obst, Gemüse, selbst gebackenes Brot oder ein gebratenes Hühnchen gestillt wird. Vegetarische Minecraft-Spieler müssen hier ein Auge zudrücken, denn auch Schweine, Schafe und Kühe dienen dem Verzehr. Die Tiere laufen zufällig in der Landschaft umher und können mit Schwerthieben oder Pfeil und Bogen geschlachtet werden. Tipp: Der Nährwert des Fleisches steigt, wenn es im Ofen zubereitet wird. (Im Fall der Hühnchen ist diese Zubereitung aufgrund der Salmonellenvergiftungsgefahr sogar eine Notwendigkeit.)

Insbesondere Fleisch ist im gegrillten Zustand nahrhafter als roh.

Insbesondere Fleisch ist im gegrillten Zustand nahrhafter als roh.

Leider beschränkt sich die Minecraft-Fauna aber nicht auf domestizierte Tiere, sondern wird durch lebensbedrohliche Monster zur Herausforderung! Zombies, mit Pfeil und Bogen bewaffnete Skelette, Spinnen und die berühmten grünen Creeper wollen dem Spieler – vor allem nachts – ans Leder.

Darum – und das ist sicher das Erste, woran Sie bei Ihrem ersten Testspiel scheiterten – ist die wichtigste Handlung im Spiel die Errichtung einer sicheren Unterkunft (siehe Abschnitt 2.2, »Überleben Teil 1: Craften und die erste Nacht«), in der Sie die Nächte verbringen. Aber nicht alle humanoiden Bewohner sind gefährlich. Haben die von Ihnen entdeckten Monster übergroße Nasen und laufen brummelnd um kleine Häuschen herum, haben Sie es mit Dorfbewohnern zu tun – hier ist reges Handelstreiben gern gesehen. Im Tausch gegen bestimmte Dinge erhalten Sie andere, schwieriger zu erlangende Objekte.

Dorfbewohner treiben gerne Handel; Smaragde dienen als Währung.

Dorfbewohner treiben gerne Handel; Smaragde dienen als Währung.

Es gibt also eine Menge zu entdecken und zu tun in Minecraft. Neben dem Überleben stecken sich Spieler ihre eigenen Ziele, z. B. den Bau einer Burg, die Erforschung der Landschaft (Biome genannt) oder das Verlegen eines riesigen Gleisnetzes für Minecrafts hauseigene Loren-Eisenbahn. So lernen sie Spielinhalte und -mechaniken während des Spielens kennen.

Aus sozialpädagogischer Sicht besonders interessant ist ein weiteres Spielelement: All diese Beschäftigungen in Minecraft kann, muss man aber nicht allein bestreiten. Ob im Netzwerk zu Hause oder auf großen öffentlichen Servern, Klassenkameraden und Minecraft-Spieler aus aller Welt können sich in einer Welt (in einer sogenannten Map) verabreden.

Spätestens hier wird der wachsame Erziehungsberechtigte hellhörig. Denn wo sich Menschen treffen, insbesondere online, kann das gemeinsame Bauvorhaben auch mal schnell im Streit enden. Zudem ist es in Online-Welten auch möglich, einfach nur »abzuhängen« oder, noch schlimmer, seine Aggressionen auf unfaire Art und Weise auszuleben.

Wie es auf diesen Online-Servern zugeht, lesen Sie im Abschnitt 3.1, »Die Online-Community«. Aber seien Sie vorab beruhigt: Grundsätzlich wird asoziales Verhalten von der Community nicht geduldet, und es sind jede Menge Spieler unterwegs, die Konflikte lösen und ein wachsames Auge auf die jüngeren Teilnehmer haben.

 


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