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Professionelle Bücher. Auch für Einsteiger.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Leitfaden für die Nutzung des Buchs und der beiliegenden DVDs
Das Terminal – sinnvoll oder überflüssig?
1 Die Wurzeln von Ubuntu
2 Was ist Ubuntu?
3 Die Versionen im Detail
4 Daten sichern, migrieren und synchronisieren
5 Die Installation
6 Erste Schritte
7 Kubuntu
8 Programme und Pakete installieren
9 Internet und E-Mail
10 Office
11 Grafik und Bildbearbeitung
12 Multimedia
13 Programmierung und Design
14 Software- und Paketverwaltung
15 Architektur
16 Backup und Sicherheit
17 Desktop-Virtualisierung
18 Serverinstallation
19 Administration und Monitoring
20 Netzwerke
21 LAN-Server – im Firmennetzwerk oder als Multimediazentrale
22 Der Server im Internet
23 Servervirtualisierung mit KVM
24 Servervirtualisierung mit Xen
25 Hilfe
26 Befehlsreferenz
A Mark Shuttleworth
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Ubuntu GNU/Linux von Marcus Fischer
Das umfassende Handbuch, aktuell zu Ubuntu 11.04 »Natty Narwhal«
Buch: Ubuntu GNU/Linux

Ubuntu GNU/Linux
geb., mit 2 DVDs
1118 S., 39,90 Euro
Rheinwerk Computing
ISBN 978-3-8362-1765-1
Pfeil 2 Was ist Ubuntu?
  Pfeil 2.1 Historie
    Pfeil 2.1.1 Eine Distribution von vielen
    Pfeil 2.1.2 Veröffentlichungspolitik
    Pfeil 2.1.3 Canonical
    Pfeil 2.1.4 Schwerpunkte und Philosophie
  Pfeil 2.2 Quellen für Ubuntu
  Pfeil 2.3 Ubuntu inside
    Pfeil 2.3.1 Linux für Menschen
    Pfeil 2.3.2 Code of Conduct (CoC)
    Pfeil 2.3.3 Die Ubuntu-Grundsätze
    Pfeil 2.3.4 Das Ökosystem
    Pfeil 2.3.5 Launchpad
    Pfeil 2.3.6 Die Ubuntu Foundation
    Pfeil 2.3.7 Wie lässt sich mit Ubuntu Geld verdienen?

»Persönlichkeiten werden nicht durch schöne Reden geformt, sondern durch Arbeit und eigene Leistung.« Albert Einstein (1879–1955), Physiker und Nobelpreisträger

2 Was ist Ubuntu?

Was Sie in diesem Kapitel erwartet

Ubuntu ist seit dem Erscheinen der ersten Version weltweit die beliebteste Linux-Distribution. Was sind die Gründe für diesen steilen Aufstieg? Wem haben wir Ubuntu zu verdanken, und was ist »Ubuntu« für ein merkwürdiges Wort?

  • Orientierung für den Einsteiger
    Für die Einsteiger unter den Lesern habe ich dieses Kapitel als Orientierung vorgesehen. Es soll Ihnen einen Einblick in die Geschichte und Herkunft von Ubuntu geben. Sie lernen die Strukturen rund um Ubuntu kennen, aber auch die spezifischen Eigenschaften, die Ubuntu von anderen Linux-Distributionen unterscheidet.
  • Lesenswerte Hintergründe
    Die »fortgeschrittenen« Leser können dieses Kapitel selbstverständlich überspringen. Es wird Ihnen wahrscheinlich keine neuen Erkenntnisse bescheren, auch wenn es sich lohnt, mehr über den Hintergrund von Ubuntu zu erfahren.

Benötigtes Vorwissen

Ubuntu basiert auf wesentlich älteren Projekten, die sich hinter den Begriffen »GNU/Linux«, »Debian«, »GNOME«, »Open Source« und »freie Software« verbergen. Wenn Sie an einer detaillierten Erläuterung dieser Projekte interessiert sind, finden Sie im Kapitel »Die Wurzeln von Ubuntu« umfangreiches Hintergrundwissen.


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2.1 Historie  Zur nächsten ÜberschriftZur vorigen Überschrift

Sicherlich gab es kaum jemanden in der Linux-Szene, der große Erwartungen in die am 15. September 2004 in zahlreichen Newsgroups erschienenen Ankündigung einer bis dato nicht in Erscheinung getretenen Firma namens Canonical setzte. In dieser Nachricht wurde die erste Ubuntu-Version 4.10 verlautbart. Inzwischen gibt es über ein Dutzend Veröffentlichungen dieses Betriebssystems (siehe den Abschnitt »Übersicht der Veröffentlichungen« in Abschnitt »Releases).

Dies war die Geburtsstunde von Ubuntu. Der genaue Wortlaut dieser Meldung war wie folgt:

From:"Benj. Mako Hill" <mako-AT-canonical.com>
To: ubuntu-announce-AT-lists.ubuntulinux.org
Subject: Announcing Ubuntu 4.10 Preview
Date: Wed, 15 Sep 2004 13:50:02 –0400
Most of you receiving this mail registered for
the low-traffic announcement list at no-name-
yet.com. This is our first announcement!
Before we get to the good stuff I'm pleased to
announce that we are nameless no more ...
the name of our distribution is "Ubuntu" (read
below for details) and the company supporting
the project is Canonical Ltd.
      Announcing Ubuntu 4.10 Preview
Ubuntu is a new Linux distribution that brings
together the breadth of Debian with a focused
selection of packages, regular releases (every
six months) and a commitment to security
updates with 18 months of security and
technical support for every release.

Listing 2.1  Ubuntu-Veröffentlichungsmeldung – September 2004


Newsgroups: Virtuelle Diskussionsforen im Internet (früher auch abseits des Internets in selbständigen [Mailbox-]Netzen), in denen zu einem umgrenzten Themenbereich Textbeiträge (auch Nachrichten, Artikel oder Postings genannt) ausgetauscht werden.



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2.1.1 Eine Distribution von vielen  Zur nächsten ÜberschriftZur vorigen Überschrift

Es ist aus Gründen der Modularität möglich, sich ein Linux-System vollständig selbst zusammenzustellen. Allerdings ist es für die meisten von uns am einfachsten, sich eine Distribution zu kaufen, auszuleihen und zu kopieren oder sich die Wunsch-Distribution einfach herunterzuladen.


Distribution: Eine Distribution ist also eine »Komposition«, die aus dem Original-Linux-Kernel und anderer Software besteht. Die in den Distributionen enthaltenen Programme sind in der Regel ebenfalls frei erhältlich, auch wenn sie unter anderen Lizenzen stehen können. Allen diesen Lizenzen ist gemeinsam, dass sie sogenannte Open-Source-Lizenzen sind. Dies bedeutet, dass diese Programme kostenlos erhältlich sind und ihr Quellcode frei verfügbar ist.
Derartige Zusammenstellungen wurden schon früh in der Geschichte von Linux entworfen. So tauchten ab 1992 zunehmend mehr Distributionen auf, die jeden Geschmack zu bedienen versuchten. Schnell entwickelten sich auch Geschäftsmodelle rund um Linux und Open Source. Die geringe Bandbreite (Geschwindigkeit) der Internetnutzer – damals gab es noch kein DSL – führte dazu, dass sich viele an Linux Interessierte die Software auf CDs zuschicken ließen.


Kostenlose Zusammenstellung

Ubuntu ist eine solche Distribution, und Canonical bzw. die Ubuntu Foundation erledigt die Arbeit, den Linux-Kernel mit vielen Programmen zusammenzustellen, das Artwork (Erscheinungsbild) anzupassen und Ihnen dies kostenlos zur Verfügung zu stellen.


Tabelle 2.1  Linux-Distributionen; Ubuntu ist zwar die beliebteste kostenlose Distribution, die Marktführerschaft im kommerziellen Bereich teilen sich aber die Firmen Red Hat und Novell.

Distribution Website Kommentar

Debian

www.debian.org

Eine sehr populäre und nichtkommerzielle Distribution. Ubuntu basiert auf Debian.

Sidux

www.sidux.org

erweitertes Debian

Gentoo

www.gentoo.org

quelltextbasierte Distribution – nur für fortgeschrittene Benutzer zu empfehlen

openSUSE

www.opensuse.org

freie Version von SUSE Linux Enterprise

SUSE Linux Enterprise

www.novell.com/linux

Marktführer in Europa, kommerziell

Red Hat Enterprise

www.redhat.com

Marktführer in Nordamerika, kommerziell

CentOS

www.centos.org

freie Version von Red Hat Enterprise

Fedora

www.fedoraproject.org

freie Version von Red Hat Enterprise

Slackware

www.slackware.com

sehr stabile Distribution

Mandriva

www.mandriva.com

sehr einsteigerfreundliche Distribution

Knoppix

www.knoppix.com

Linux-Live-Distribution


Ranking der Linux-Distributionen

Distrowatch (www.distrowatch.org) informiert über aktuelle Veröffentlichungen von Hunderten von Distributionen und stellt ein Ranking der beliebtesten dieser Linux-Varianten auf. Ubuntu führt seit über fünf Jahren mit einigen kleinen Unterbrechungen die Hitparade der beliebtesten Distributionen an, seit die erste Version Ubuntu 4.10 »Warty Warthog« im Oktober 2004 erschien. Ubuntu ist die beliebteste Linux-Distribution weltweit. Sie erfahren mehr über Linux-Distributionen im Abschnitt »Eine Distribution von vielen«.


Distrowatch: Linux ist nicht gleich Linux – es gibt eine unüberschaubare Anzahl von verschiedenen Linux-Distributionen. Genau diese Vielfalt ist Fluch und Segen zugleich, denn der Anwender kann hierbei schnell den Überblick verlieren.

Die Internetseite www.distrowatch.org listet zurzeit über 350 verschiedene Linux-Distributionen auf. Die Palette reicht hierbei von so bekannten Distributionen wie Ubuntu bis hin zu pQui, einer spanischen Distribution, die auf Slackware basiert.

Die Hitliste von Distrowatch wird durch Zugriffe und die damit verbundenen Informationen über das Betriebssystem erstellt. Diese Methode ist keineswegs perfekt und kann manipuliert werden, gibt aber dennoch einen ungefähren Eindruck von der Beliebtheit einer Linux-Distribution.


Mark Shuttleworth

Der geistige Vater von Ubuntu ist Mark Shuttleworth (siehe Abbildung), vielen sicher auch bekannt als der zweite Weltraumtourist in der Geschichte der Raumfahrt. In der Ubuntu-Gemeinschaft wird er daher oft auch »Space Cowboy« oder »Afronaut« genannt – in Anlehnung daran, dass er als erster Mensch Afrikas 2002 den Weltraum besuchte. Übrigens hat er für diese Reise mindestens 20 Millionen US-Dollar gezahlt.

Abbildung 2.1  Mark Shuttleworth trug auf dem Linux-Tag 2006 ein Shirt mit dem Logo von KDE als Aufdruck, um seine Verbundenheit mit dem KDE-Projekt zu demonstrieren. Im Vorfeld dieser Veranstaltung hatte es Vorwürfe gegeben, dass Ubuntu zu sehr auf GNOME fixiert sei. Er begegnete diesem Vorwurf mit einem Lachen.

Mark Shuttleworth ist der Gründer der Softwarefirma Thawte Consulting. Als diese von VeriSign in der Zeit der »New Economy« in den 1990er Jahren übernommen wurde, wurde Shuttleworth über Nacht zum Millionär. Zwar weiß niemand, ob Shuttleworth im Weltraum die Erleuchtung zum Projekt Ubuntu kam. Fest steht, dass der Multimillionär seinerseits der Internetgemeinde etwas zurückgeben wollte, basierte doch sein Vermögen auf den Geschäften, die er in den seligen Zeiten der New Economy getätigt hatte.

Nicht nur wohltätig

Trotz allem handelt es sich bei Ubuntu nicht nur um ein rein wohltätiges Projekt. Wenn eine Distribution längerfristig am Markt bestehen will, benötigt sie eine kontinuierlich arbeitende Entwicklergemeinde und eine funktionierende Infrastruktur. Dies bedeutet unter anderem, dass die Server unterhalten werden müssen, aber auch das kostenlose Verschicken der Ubuntu-CDs muss auf Dauer gesichert sein. Dies alles kostet Geld, das in erster Linie durch das Anbieten von Support verdient wird.


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2.1.2 Veröffentlichungspolitik  Zur nächsten ÜberschriftZur vorigen Überschrift

Ubuntu erscheint alle sechs Monate in einer erneuerten Version. Dies ist ein relativ kurzer Zeitraum, aber keine Angst: Sie müssen nicht jede neue Version sofort installieren. Prinzipiell gibt es zwei Varianten der Verwendung:

  • Halbjährlich – stets aktuell
    Wie bereits erwähnt, erscheint Ubuntu regelmäßig alle sechs Monate (jeweils im April und im Oktober) in einer runderneuerten Version. Bei vielen Ubuntu-Benutzern ist der Wunsch nach einem stets aktuellen System sehr groß. Hier werden bereitwillig Abstriche in Bezug auf die Stabilität in Kauf genommen. Viele der Nutzer haben Linux und Ubuntu quasi als Hobby, so dass die intensive Beschäftigung mit Ubuntu für sie kein Hindernis darstellt.
  • LTS – Long Term Support
    Produktiv orientierte Anwender und Firmen haben allerdings kein Interesse an einer halbjährlich wiederkehrenden Umstellung des Systems. Bei diesen Anwendern liegt der Fokus auf größtmöglicher Stabilität, langen Support-Zeiten und Zertifizierungen. Daher münden die halbjährlichen Veröffentlichungen nach zwei Jahren in eine besonders ausgezeichnete Version, die sogenannte LTS-Version (LTS bedeutet Long Term Support – zu Deutsch »Langzeit-Unterstützung«). Jedes vierte Release von Ubuntu ist also eine solche Version, für die es einen besonders langen Unterstützungszeitraum gibt. Die letzte und derzeit aktuelle LTS-Version ist Ubuntu 10.04 »Lucid Lynx«.

Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile. Denn es kann z. B. bei einem Rechner, der über neuere Hardware verfügt, sinnvoll sein, eher zu dem jeweils neuesten Ubuntu zu greifen. Die Chance, dass hierbei die Unterstützung für die neue Hardware vorhanden ist, ist naturgemäß höher als bei einer bis zu eineinhalb Jahre alten Version.

Welche Version für welchen Zweck?

Wir haben soeben festgestellt, dass Ubuntu in sogenannten Versionszyklen entwickelt wird und dass die mit »LTS« besonders ausgezeichneten Versionen jeweils das Ende eines solchen Zyklus darstellen. Am Beginn jedes Zyklus werden diejenigen Technologien in Ubuntu integriert, die einen großen Eingriff in das System darstellen. In den Folgeversionen innerhalb eines Zyklus werden diese Funktionen immer weiter verbessert, und der Fokus der Entwicklung verschiebt sich in Richtung Stabilität.

Facelifts

Sie können die Facelifts in etwa mit der Entwicklung von Automobilen vergleichen. Stellen Sie sich vor, dass ein Autohersteller alle zwei Jahre ein neues Modell auf den Markt bringt. In der Zeit zwischen diesen Veröffentlichungen werden die Modelle halbjährlichen »Facelifts« unterworfen. Diese Facelifts bringen kleine, aber kontinuierliche Verbesserungen am gesamten Auto mit sich. So ändert sich z. B. das Design nicht grundsätzlich, und auch an der Antriebstechnik werden nur geringfügige Modifizierungen vorgenommen. Aber insgesamt gewinnt das Auto durch jede der Schönheitsoperationen ein Stückchen mehr an Zuverlässigkeit.

Alle zwei Jahre gibt es dann von diesem Auto ein Sondermodell (bei Ubuntu mit der Zusatzbezeichnung »LTS«), in dessen Konstruktion alle Verbesserungen der vergangenen zwei Jahre eingeflossen sind und das für die Kunden dann besonders attraktiv ist. Ein halbes Jahr nach Erscheinen dieses Sondermodells betritt der Nachfolger dieses Erfolgsautos die Bühne, und die Abfolge aus halbjährlichen Facelifts beginnt von vorn.

Abbildung 2.2  Das Veröffentlichungsschema von Ubuntu (Quelle: Mark Shuttleworth)

Was bedeutet die Zahlenkombination?

Die Grundlage dieses Buchs ist Ubuntu 11.04. Aus der Zahlenkombination können Sie herauslesen, wann diese Version erschienen ist, in diesem Fall im Jahr 2011 (11), Monat April (.04). Sie können problemlos von einer Version auf die nächste aktualisieren, ohne dass Sie das gesamte System neu installieren müssen. Wie dies funktioniert, erkläre ich Ihnen im Abschnitt »Aktualisierung des gesamten Systems«.

Korrelation mit GNOME

Sie werden sich vielleicht fragen, warum der normale Versionszyklus exakt sechs Monate beträgt. Der Grund ist banal: Die Entwicklung von Ubuntu korreliert mit der von GNOME. Jeweils einen Monat, nachdem GNOME eine neue Version seiner Desktop-Umgebung bereitstellt, werden viele dieser Pakete in Ubuntu integriert, und es erscheint eine neue Ubuntu-Version. Mehr über GNOME erfahren Sie im Abschnitt »GNOME und KDE – die Standards bei (K)Ubuntu«. Hier lesen Sie auch mehr über die Gründe dieser weitreichenden Partnerschaft.

Übersicht der Veröffentlichungen

Zur Verdeutlichung der eben vorgestellten Zyklen soll die Tabelle dienen. Sie bietet eine Übersicht über alle zur Zeit der Drucklegung bekannten oder angekündigten Veröffentlichungen. Sie können darin die genaue Bezeichnung der Version, deren Erscheinungsdatum und den Unterstützungszeitraum herauslesen. Die Support-Dauer in der letzten Spalte bezieht sich auf die Desktop-Versionen – für die Servervariante verlängert sich die Unterstützung um weitere zwei Jahre. Die LTS-Versionen werden durch sogenannte »Point-Releases« aktualisiert, bevor die nächste LTS-Version erscheint. Diese Point-Releases enthalten ausschließlich die regulären (Sicherheits-)Updates und sollen lediglich die Installation zu einem späteren Zeitpunkt beschleunigen.

Abbildung 2.3  So fröhlich wurden Sie im Oktober 2004 bei Ubuntu begrüßt.Sie sehen hier den alternativen Splash-Screen von »Warty Warthog« (Ubuntu 4.10).

Die Entwicklungsnamen der einzelnen Versionen sind immer zusammengesetzte Tierbezeichnungen. Zu Beginn erfolgten die Bezeichnungen noch recht willkürlich, die einzige Gemeinsamkeit bestand in der Endung -hogWarthog (Warzenschwein) und Hedgehog (Igel). Seit »Breezy Badger« werden die Releases alphabetisch fortlaufend benannt. Es entfallen allerdings Buchstaben, für die sich kein geeigneter Name findet. Inzwischen sind die Entwickler dazu übergegangen, die Version, die sich aktuell in der Entwicklung befindet, scherzhaft mit dem Namen »Grumpy Groundhog« zu bezeichnen. Bei Fedora heißt so eine Version übrigens »Rawhide«. Des Weiteren sollen die Bezeichnungen den Charakter der einzelnen Versionen widerspiegeln. Dies erläutere ich Ihnen anhand der einzelnen Versionen auf meiner Website unter www.marcus-fischer.com.


Tabelle 2.2  Übersicht der bisherigen und der geplanten Ubuntu-Veröffentlichungen – sortiert nach dem Erscheinungsdatum. Die hervorgehobenen Versionen sind langzeitunterstützte Versionen, von denen es jeweils mehrere Aktualisierungen (erkennbar an der Endung ».1« bis ».4«) gibt.

Version Erschienen Bezeichnung Deutsche Übersetzung Support bis

4.10

20.10.2004

Warty Warthog

»Warziges Warzenschwein«

04.2006

5.04

08.04.2005

Hoary Hedgehog

»Altersgrauer Igel«

10.2006

5.10

13.10.2005

Breezy Badger

»Flotter Dachs«

04.2007

6.06 LTS

01.06.2006

Dapper Drake

»Eleganter Erpel«

06.2009

6.06.1 LTS

10.08.2006

1. aktualisierte Version

6.06.2 LTS

21.01.2008

2. aktualisierte Version

6.10

26.11.2006

Edgy Eft

»Nervöser Molch«

04.2008

7.04

19.04.2007

Feisty Fawn

»Lebhaftes Reh«

10.2008

7.10

18.10.2007

Gutsy Gibbon

»Mutiger Gibbon«

04.2009

8.04 LTS

24.04.2008

Hardy Heron

»Kühner Reiher«

04.2011

8.04.1 LTS

03.07.2008

1. aktualisierte Version

8.04.2 LTS

22.01.2009

2. aktualisierte Version

8.04.3 LTS

16.07.2009

3. aktualisierte Version

8.04.4 LTS

29.01.2010

4. aktualisierte Version

8.10

30.10.2008

Intrepid Ibex

»Unerschrockener Steinbock«

04.2010

9.04

23.04.2009

Jaunty Jackalope

»Lebhafter Wolpertinger«

10.2010

9.10

29.10.2009

Karmic Koala

»Karmischer Koala«

04.2011

10.04 LTS

29.04.2010

Lucid Lynx

»Aufgeweckter Luchs«

04.2013

10.04.1 LTS

19.08.2010

1. aktualisierte Version

10.04.2 LTS

11.02.2011

2. aktualisierte Version

10.04.3 LTS

3. aktualisierte Version

10.04.4 LTS

4. aktualisierte Version

10.10

10.10.2010

Maverick Meerkat

»Eigenwilliges Erdmännchen«

04.2012

11.04

28.04.2011

Natty Narwhal

»Schicker Narwal«

10.2012

11.10

13.10.2011

Oneiric Ocelot

»Verträumtes Ozelot«

04.2013

12.04 LTS

04.2015

12.04.1 LTS

04.2015

12.04.2 LTS

04.2015

12.04.3 LTS

04.2015



Grumpy Groundhog: Der Name »Grumpy Groundhog« sollte eigentlich für die dritte Version von Ubuntu verwendet werden, die im Oktober 2005 erschien. Man wählte hier ebenfalls die Endung -hog wie bei den ersten beiden Versionen, aber zwei Gründe sprachen gegen die Bezeichnung: Erstens assoziiert der Name »Mürrisches Murmeltier« nicht gerade ein stabiles Betriebssystem, zweitens wurde man sich der Tatsache bewusst, dass es nicht allzu viele Tiernamen mit der Endung -hog gibt und dass diese Bezeichnungen in naher Zukunft ausgehen würden. Daher änderte man die Bezeichnungsweise auf fortlaufende alphabetische Namen (siehe oben).



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2.1.3 Canonical  Zur nächsten ÜberschriftZur vorigen Überschrift

Der verlängerte wirtschaftliche Arm hinter Ubuntu ist die Firma Canonical, deren Geschäftsführer bis 28.02.2010 Mark Shuttleworth war. Von den damals bescheidenen Anfängen mit kaum 40 Mitarbeitern ist das Unternehmen mittlerweile auf 320 Mitarbeiter gewachsen. Mark Shuttleworth, der Canonical gegründet hatte, konzentriert sich heute auf Themen wie Produktdesign und Qualität sowie den Kontakt mit Partnern und Kunden. Canonical arbeitet noch nicht kostendeckend; Mark Shuttleworth finanziert das Unternehmen aus seinem Privatvermögen. Haupteinnahmequellen sind:

  • Support
    Firmen und Privatanwender können Support käuflich erwerben. Sie erfahren mehr über die Angebote auf der Seite www.canonical.com/consumer-services.
  • Landscape
    Dies ist ein Programm zur Verwaltung und Überwachung größerer Netzwerke. Sie erfahren mehr im Abschnitt »Zentrale Verwaltung mit Landscape«.
  • Ubuntu One
    Damit wird ein Onlinedienst bezeichnet, bei dem kostenlose und kostenpflichtige Dienste angeboten werden. Sie erfahren mehr im Abschnitt »Ubuntu One«.
  • Ubuntu One Music Store
    Mit diesem Namen wird ein integriertes Musikportal – ähnlich wie iTunes von Apple – bezeichnet. Sie erfahren mehr im Abschnitt »Käuflicher Erwerb von Musik«.

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2.1.4 Schwerpunkte und Philosophie  topZur vorigen Überschrift

Ubuntu lässt sich durch einige Schwerpunkte charakterisieren:

  • Benutzerfreundlich
    Ubuntu ist kinderleicht zu installieren – und dies unter anderem auf zwei intelligente Weisen:
  • 1. Einfach nebenbei: Sie können Ubuntu bequem von der Desktop-CD oder -DVD installieren (beiliegende DVD), während Sie im Internet surfen oder andere Tätigkeiten online erledigen; siehe Abschnitt »Ubuntu installieren«.
  • 2. Wie ein Programm in Windows: Relativ neu ist die Möglichkeit, Ubuntu wie ein Programm innerhalb von Windows zu installieren (siehe Abschnitt »Als Anwendung unter Windows – Wubi«).
  • Stabil
    Ubuntu basiert auf der vielfach bewährten Debian-GNU/Linux-Distribution.
  • Einfach und überschaubar
    Ubuntu ist so konzipiert, dass für jede Anwendungsaufgabe lediglich ein bewährtes Programm zum Einsatz kommt.
  • Aktuell
    Ubuntu lässt sich spielend leicht auf dem aktuellen Stand halten. Sie erfahren mehr dazu im Kapitel »Programme und Pakete installieren«.
  • International
    Ein anderes Ziel des Projekts ist eine verbesserte Internationalisierung, damit die Software so vielen Menschen wie möglich zur Verfügung steht.
  • Dokumentiert
    Ubuntu soll das am besten dokumentierte GNU/Linux werden. Hierzu sind viele Dokumente direkt ins System integriert. Sie finden diese Hilfe über das Menü System • Hilfe und Unterstützung.

Die Bedeutung des Wortes »Ubuntu«

Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu umschreibt den Begriff »Ubuntu« so:

»Eine Person mit Ubuntu ist offen und greifbar für andere, bejaht andere in ihrer Andersartigkeit, fühlt sich nicht von der Stärke anderer bedroht, verfügt über ein angemessenes Selbstbewusstsein, das sich aus dem Wissen um die eigene Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen speist, und fühlt sich selbst herabgesetzt, wenn andere erniedrigt oder herabgesetzt, wenn andere gefoltert oder unterdrückt werden.«

Ubuntu ist eine afrikanische Lebensphilosophie, der die Idee der Menschlichkeit zugrunde liegt. Das Wort ist Teil des Zulu-Ausdrucks »umuntu ngumuntu ngabantu« aus der südafrikanischen Sprachfamilie Nguni, der in etwa bedeutet: »Ein Mensch wird zum Menschen durch andere Menschen«. Eine exakte Übersetzung existiert leider in keiner europäischen Sprache. Der Begriff beschreibt Menschlichkeit und gegenseitige Großzügigkeit ebenso wie die Zusammenarbeit für ein gemeinsames Ziel. Es ist »der Glaube an etwas Universelles, das die gesamte Menschheit verbindet«.

Diese Sichtweise unterscheidet sich deutlich vom individualistischen Denkansatz. Verglichen mit Descartes Grundprinzip »Ich denke, also bin ich«, müsste das Ubuntu-Grundprinzip »Ich gehöre dazu, also bin ich« lauten – womit das Individuum sofort in einen gemeinschaftlichen Kontext gestellt wird. Mehr über die Grundlagen der Zusammenarbeit können Sie im Abschnitt »Code of Conduct« nachlesen.

Kooperation als Basis

Die Schöpfer haben für die Linux-Distribution den Namen Ubuntu gewählt, weil sie glauben, dass er die Grundgedanken des Miteinander-Teilens und der Kooperation perfekt trifft, die für die Open-Source-Bewegung so wichtig sind. In der Welt der freien Software arbeitet man freiwillig zusammen, um Software zu schaffen, die allen nützt. Man verbessert die Arbeit anderer, die frei erhältlich ist, und man teilt die eigenen Erweiterungen auf der gleichen Basis mit anderen.

Abbildung 2.4  Das Logo von Ubuntu wird durch mehrere Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen nachgebildet. Dieser »Circle of Friends« symbolisiert den wesentlichen Charakterzug von Ubuntu – Linux for Human Beings. Die Abbildung zeigt das Cover der ersten Ubuntu-CD »Warty Warthog«.



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